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Erlend Larsen "crypt"

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Pressemitteilung

Jon Erlend Larsen
Crypt

17. Atelierstipendiat der Stadt Mönchengladbach
Gefördert durch die Josef und Hilde Wilberz-Stiftung

5. – 20. November 2008
Installation in der Citykirche Alter Markt

Eröffnung: Mittwoch, 5. November, 18.30 Uhr
Begrüßung: Christoph Simonsen, Citykirche Alter Markt
Dr. Gert Fischer, Kulturdezernent der Stadt Mönchengladbach
Einführung: Stefan Skowron, Kunsthistoriker

Der norwegische Künstler Jon Erlend Larsen präsentiert zum Abschluss seines Aufenthalts in Mönchengladbach ein ortsspezifisches Installationsprojekt in der Citykirche am Alten Markt.

Als Stipendiat der Stadt Mönchengladbach und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung, welche dieses international renommierte Künstlerstipendium ermöglicht, lebte Jon Erlend Larsen in den vergangenen sechs Monaten im Atelierhaus an der Steinmetzstraße.

Seit 1998 vergibt die Stadt Mönchengladbach mit Unterstützung der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung ein Atelierstipendium an Bildende Künstlerinnen und Künstler. Die Stadt Mönchengladbach stellt den internationalen Stipendiaten für ein halbes Jahr ein Gastatelier nebst Wohnung und einen Lebenshaltungskostenzuschuss zur Verfügung. Zum Ende des Aufenthaltes entsteht eine Ausstellung in einem öffentlichen Ausstellungsraum in Mönchengladbach. Bisherige Stipendiaten waren: Gil Shachar (IL), Andreas Kaiser (D), Mieke van Schaijk (NL), Sandra Voets (D), Yael Davids (IL/NL), Tal R (IL/DK), Hunor Petö (H), Antonio Ortega (E), Yves Mettler (CH), Yukako Ando (JP), Vera Lossau (D), Diango Hernández (C), Anna Meyer (CH), Shirley Wegner (IL/USA) und Stani Michiels (B).

Jon Erlend Larsen, geboren 1975 in Oslo, studierte zunächst Kunstgeschichte, dann bildende Kunst in Oslo, anschließend an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Von 2006 bis 2007 war er Assistent von Joshua Neustein und lebte in New York. Larsen arbeitet mit Filmen und multimedialen Installationen, in denen die Funktion der Kamera stets eine zentrale Bedeutung hat. In frühen Filmen ging es oft um Performances, die sich durch Kameraperspektive in waghalsige bzw.  Slapstick-artige Aktionen übersteigerten. Aktuell beschäftigt er sich mit Closed Circuit-Installationen, in denen Kameras Live-Projektionen erzeugen und sowohl Objekte als auch Betrachter in räumliche Interaktionen versetzen.

Larsens Abschlussprojekt für die Citykirche am Alten Markt zeigt eine künstlerische Auseinandersetzung mit urbanen Strukturen in Mönchengladbach. Ähnlich wie vorangegangene Stipendiaten demonstriert Larsen den wachen Blick eines auswärtigen Gastes auf die Stadt. Und so vermittelt sein Projekt einmal mehr, dass das Atelierstipendium der Stadt Mönchengladbach einer Feldstudie gleichkommt, welche den Blick von auswärtigen Künstlern für eine Innensicht nutzbar macht. Ein großer Dank gilt diesmal auch den Initiatoren der Citykirche, welche den Kirchenraum für Larsens Projekt zur Verfügung stellten und großes Engagement in der Umsetzung dieses Vorhabens bewiesen. Namentlicher Dank gilt Wolfgang Funke, Pastoralreferent der Citykirche, und Pfarrer Christoph Simonsen, ein weiterer Dank der Gerüstbaufirma Creutz.


Eröffnung der Installation "crypt" in der Citykirche Mönchengladbach:

"Es scheint, als hätte Erlend Larsen sich hier in Mönchengladbach festgebissen, ist es doch schon seine dritte Ausstellung, an der er hier in der Stadt teilnimmt. 2007 im Rahmen der jüdischen Kulturtage hat er im BIS ausgestellt, dann in diesem Jahr im Kontext der Ausstellung hier in der Citykirche zum Thema Triptychon und jetzt seine Einzelausstellung zum Abschluss seines Künstlerstipendiums die dritte Arbeit, die wir hier sehen dürfen. Aber bei aller Beharrlichkeit lässt sich Erlend Larsen nicht binden, er ist und bleibt ein Wanderer; seine künstlerische Schaffenskraft ist immer bezogen auf den Ort, und deshalb bedarf sie existentiell des Ortswechsels, den er immer wieder beharrlich auf sich nimmt.

'Crypt' ist diese Ausstellung überschrieben. Warum? Weil sie kryptisch ist, fremd, unverständlich? Schließlich fragen sich einige ganz bestimmt, warum in einer Kirche, die eh schon eingerüstet ist, der Künstler zusätzlich ein Gerüst hineinsetzt und das ganze dann auch noch als Kunst verkauft? 'crypt', so heißt auch ein Computerprogramm im linuxkernel, welches Daten mit verschiedenen Algorithmen zu ver- und entschlüsseln vermag. Die Arbeit von Erlend scheint also in der Tat damit zu tun zu haben, Wirklichkeit zu entfremden, um sie im nächsten Schritt gleich wieder entschlüsseln zu wollen.

Ein Kirchenraum unterliegt vorgegebenen ästhetischen Merkmalen. Die mögen in den verschiedenen Zeitepochen unterschiedlich gewesen sein, aber jede Zeit und jeder Stil war geprägt von je eigener Ästhetik. Kirchenraum als Träger des Heiligen ist per se ein reiner Raum; rein sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn gemeint. Diese Grundüberzeugung durchkreuzt Erlend Larsen mit seiner Arbeit. Er holt die Utensilien in den heiligen Raum hinein, die darauf verweisen, dass etwas defekt, kaputt, reparaturbedürftig ist, ein Baugerüst eben. Oder anders: er holt die nackte Wirklichkeit in den Ort des Heiligen hinein. Und in dieser Ausstellung noch klarer: mittels seiner immer wieder angewandten Videotechnik wirft er das Geschöpfliche, den Menschen eben, auf diese Wirklichkeit zurück, reparaturbedürftig, defekt, unvollkommen zu sein. Jede Besucherin, jeder Besucher findet sich beim Eintreten in die Kirche unverhofft auf die gegenüberliegenden Leinwand projiziert wieder, und das gleich mehrfach. Auf diese Weise wird der Mensch verwiesen auf die Schizophrenie allen Lebens und konfrontiert mit der eigenen Widersprüchlichkeit in sich, der keiner entfliehen kann. Es ist also buchstäblich so, dass der Künstler die Welt hineinholt in die Sphäre des Heiligen, ohne zu beschönigen und zu beschwichtigen. Er mutet dem Heiligen die Wahrheit des Lebens zu und zugleich schlägt er eine Brücke zwischen dem Profanen und dem Sakralen.

Zwei weitere Videoinstallationen vertiefen im Letzten diesen Gedanken. Zum einen die Performance, in der er sich selbst slapstickartig präsentiert und die Grenze zwischen Komik und Tragik verwischt und zum anderen eine Arbeit, die nichts anderes zeigt als ein Blatt Papier, das sich unentwegt bewegt, verursacht durch einen alltäglichen Ventilator: Das Leben kann so banal sein und zugleich so anmutend schön!"

(aus der Einführung von Pfr. Christoph Simonsen, zur Ausstellungseröffnung am 5.11.2008)

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